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  Die Vorgeschichte des Panama Kanals
 

Die Vorgeschichte des Panamakanals

Seit vielen Jahrhunderten beschäftigt sich die Menschheit mit der Frage eines mittelamerikanischen Kanals zur Verbindung des Pazifischen mit dem Atlantischen Ozean. Seit dem Erfolg des Suezkanals weckt  das Vorhaben eines Kanals über die Landenge von Panama die Neugierde und den Appetit der Finanzwelt.

Der ungarische General Istvan Türr rief 1876 in Paris eine Studiengesellschaft namens Sociétè  Civile  Internationale du  Canal Interocéanique de Darien ins Leben, die das Ziel hatte, die Landenge von Darien durch eine Expedition geologisch zu erforschen. Die Leitung des Vorhabens lag bei Kapitänleutnant Lucien Napoleon Bonaparte Wyse. Er wurde begleitet von dem französischen Marineoffizier Armand Réclus.



Die Expedition erforschte vor Ort die verschiedenen Möglichkeiten eines Kanaldurchstichs, bei Darien, bei San Blas, in Nicaragua und in Panama. Die Forschungsarbeiten in Panama wurden seinerzeit relativ schnell abgeschlossen. Sie nahmen nicht einmal einen Monat in Anspruch wie Wvse und Réclus berichten. Wyse schreibt, dass eine derartig schnelle Untersuchung in Panama aufgrund der bereits existierenden Vorarbeiten möglich war. Die vorgebrachte Kritik einer übereilten Untersuchung sei unberechtigt und alle, die sich daran stoßen, sollten wissen, dass es sich bei Panama um eine relativ zivilisierte Region handelt, die geologisch einfacher zu erforschen ist, als etwa die Wüsten oder Urwälder von Darien oder San Blas. Diese Rechtfertigungen des stark von Eigeninteressen getriebenen Wyses machen deutlich, dass die hier aufgekommene Kritik zumindest teilweise berechtigt ist. Tatsache ist allerdings auch, dass in dieser Gegend bereits die Eisenbahn von Colon nach Panama Panama Rail Road Company existierte bzw. dass sich die Untersuchungen Wyses auf Forschungsergebnisse aus der Bauphase der Panamaeisenbahn stützen konnten.



            Nach Abschluss seiner Arbeiten nahm Wyse Verhandlungen zur Kanalfrage mit den Vereinigten Staaten von Kolumbien auf. Dies führte am 28. Mai 1878 zu einem Abkommen, dass dem Türr - Syndikat eine Konzession für den Bau und Betrieb einen interozeanischen Kanals über die Landenge von Panama übertrug.



Kaum im Besitz der Konzession, setzte sich Wyse mit dem zu dieser Zeit hoch angesehenen Grafen Ferdinand de Lesseps in Verbindung. De Lesseps machte das Wyse - Projekt zu seiner Sache, zu einem Projekt, dass für den Schiffstransit den Bau eines schleusenlosen Niveaukanals vorsah. Die entsprechenden Pläne stellte de Lesseps in der Akademie der Wissenschaften Académie des Sciences vor, die seine Ideen immer gern unterstützte. Im Mai 1879 berief de Lesseps unter der Schirmherrschaft der Geografischen Gesellschaft  Socffite de Geographie de Paris 




einen internationalen Kongress mit 135 Teilnehmern nach Paris ein. Unter den Teilnehmern waren 21 hervorragende, französische und ausländische Ingenieure sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Finanzen. Der Kongress sollte die günstigste Route für einen mittelamerikanischen, interozeanischen Kanal beraten und auswählen. Die Ergebnisprotokolle des Kongresses sind aufschlussreich. Es wurde klar, dass de Lesseps um jeden Preis die Route von Colon nach Panama bevorzugte und andere Kanaltrassen ablehnte. Einige hochkompetente Kongressteilnehmer forderten jedoch zusätzliche Bodenuntersuchungen auf der Panamatrasse, ehe man sich endgültig entscheiden würde. So ist zu erklären, dass nach vielen parlamentsähnliche Debatten der 45- köpfige technische Ausschuss folgende Resolution wunschgemäß verabschieden sollte: Der technische Ausschuss legt fest, dass der interozeanische Kanal zwischen Colon und Panama verlaufen soll.


 
Dieser dem Wunsch
de Lesseps entsprechende Vorschlag erhielt nur 20 Ja - Stimmen, 9 Gegenstimmen und 16 Enthaltungen, und war damit abgelehnt. Nach. einer vom. Plenum des Kongresses ausgehenden Abstimmungsregelung stimmte man auch auf der Abschlusssitzung des Kongresses am 29. Mai 1879 zur gleichen Frage mit Nein, jedoch kurz darauf mit Ja, aufgrund einer modifizierten Abstimmungsregel die morgens in einer privaten Besprechung gefasst wurde" vom Präsidenten, Vize- Präsidenten, von Sekretären und von den Berichterstattern der fünf Sektionen. Die modifizierte Regel sah eine Abstimmung mit einfacher Mehrheit und namentlichem Aufruf vor, wobei Stimmenthaltungen nicht gezählt werden. Die Abstimmung über die Resolution führte unter dieser neuen Regel schließlich zur Zustimmung zum Niveaukanal von Colon nach Panama, da von den 135 Kongressteilnehmern, 37 an der Abstimmung nicht teilnahmen, 12 sich enthielten und 8 mit Nein stimmten, insgesamt also nur 57 Teilnehmer der Resolution widersprachen.



Dieses Abstimmungsergebnis  insbesondere unter dem Eindruck wertvoller, technischer Hinweise seitens der Opponenten hätte Ferdinand de Lesseps eigentlich nachdenklich machen müssen. Aber als glücklicher Gewinner wollte er die Sache nun schnell voranbringen. Oe Lesseps hatte bereits eine Gründergesellschaft  Société de Fondateurs etabliert. Er ließ sich vom Türr- Syndikat die durch die Vereinigten Staaten von Kolumbien verliehene Kanalkonzession für eine Summe von 5 Millionen Goldfranken, zahlbar in bar, und 5 Millionen Goldfranken, zahlbar in Aktien der zukünftigen Panamakanal - Gesellschaft, übertragen. Hiernach zahlte er, wie im Konzessionsvertrag vereinbart, 750.000 Goldfranken vorab an Kolumbien. Bereits am 6. und 7. August 1879 eröffnete de Lesseps eine öffentliche Aktienemission der geplanten Kanalgesellschaft mit einem Kapital von 400 Millionen Goldfranken.


  Diese Aktienzeichnung stieß allerdings beim Publikum auf wenig Gegenliebe, da sich de Lesseps bei dieser Aktion allein auf den guten Ruf seines Namens verlassen hatte und es sträflich versäumt hatte, Finanzwelt und Presse einzubeziehen. Ergo: Die Aktienplatzierung scheiterte kläglich. Ferdinand de Lesseps hatte nun begriffen, wie eine Aktienemission funktioniert. Er eröffnete einen breit angelegten Propagandafeldzug für sein neues Vorhaben. Er hielt jetzt Konferenzen und Informationsveranstaltungen in der Academie des Sciences ab, gab von nun an seine Werbepublikation Bulltin du Canal Interoceanique heraus und machte sich die Pressehäuser durch reichliche Geldzuwendungen willfährig. Die Presse begann nun überschwänglich die technischen, ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Fähigkeiten des Präsidenten der Panamakanal - Gesellschaft zu loben.



Sie kündigte Ende 1879 in ganz Europa an, dass
de Lesseps beabsichtigt sich in Kürze in Richtung Panama einzuschiffen, und um das Publikum zu beeindrucken würde er dies mitsamt Frau und seinen drei kleinen Kindern tun. Auf dieser Reise wurde de Lesseps von einer international, besetzten Ingenieurskommission begleitet Nach 18-20 Tagen Aufenthalt auf der Landenge von  Panama  fühlte sich dieser wissenschaftliche Aufmarsch über die Machbarkeit des


 

Kanalvorhabens soweit hinlänglich informiert, um zu erklären, dass die Kostenschätzung für den Kanalbau, die Mitte 1879 vom Kongress noch auf 1.200 Millionen Goldfranken geschätzt wurde, zu hoch sei. Ebenso wurde verbreitet, dass die Bauzeit des Kanals, die vom Internationalen Kongress noch auf 12 Jahre prognostiziert wurde, zu lang sei. Die geschätzten Baukosten wurden nun auf 843 Millionen Goldfranken, die Bauzeit auf acht Jahre reduziert. Aber wenn man schon reduziert, warum hier gleich aufhören?Ferdinand de Lesseps hatte nämlich bei der Überfahrt nach Panama an Bord des amerikanischen Dampfers „Le Colon"  Zeit gehabt, den Bericht des Internationalen Kongresses, den man ihm am 14. Februar 1880 also weniger als zwei Monate vor seiner Abfahrt in Frankreich  ausgehändigt hatte, zu studieren. Dabei stellte er fest, dass sich aus dem vorgelegten Zahlenwerk des technischen Ausschusses eine weitere Reduzierung der Kosten um 184.400.000 Goldfranken ergab. Nunmehr setzte er die Kosten für den Kanalbau auf 658.600.000 Goldfranken fest.

 

 

Sollte damit das Thema Kostenreduzierung abgeschlossen sein? Nein, denn de Lesseps gibt weiterhin bekannt, dass die zwei zu jener Zeit angesehene Bauunternehmer,  Herr Couvreux sowie HerrHersent ihren Kostenvoranschlag vorgelegt haben, der besagt, dass die Fertigstellung des Kanals nicht mehr als 500 Millionen Golffranken kosten würde. Es ist exakt dieser Betrag über 500Millionen Goldfranken, der am 15. November 1880 im Zeitungsprospekt für die Begebung von 590.000 Aktien der Panamakanal - Gesellschaft zum 7.8. und 9. Dezember 1880 auftaucht.

 

 

 

            Diesmal schreibt die durch Geldzuwendungen stark motivierte Presse wahre Loblieder zugunsten des Lessepsischen Vorhabens. Die Zeitungen überschlagen sich förmlich: Eine kündigt an, dass die Aktienzeichnung ein großer Erfolg werden wird, eine andere Zeitung bedauert, dass sie die Protokolle des Kongresses seinerzeit nicht weiter in der Öffentlichkeit verbreitet habe. Eine drittes Blatt preist in höchsten Tönen die Panamakanalroute an, wohl wissend, dass der Kongress dieser Route seinerzeit



 

 
eher zögerlich gegenüberstand. Die Zeitungsherausgeber verwendeten die schönsten Begrifflichkeiten und die trickreichsten Eigenschaftsworte, um dem Kanalprojekt eine wunderschöne Zukunft zu verheißen und es immer wieder sinnreich mit dem bestehenden legendären Suezkanal zu vergleichen. Die Risiken und die zahlreichen Unklarheiten dieser Unternehmung wurden plötzlich völlig sorglos verschwiegen. Man kann sagen, dass die Presse die Öffentlichkeit dahingehend zu beeinflussen versuchte, eine hochriskante Kapitalanlage möglichst kritiklos zu akzeptieren. Ist das rechtmäßig? Wie es scheint, ja. Seit neuestem unterstützt sogar ein Lobbyist, dem die meisten großen Zeitungen anhängen, die Ansicht, dass gerade die Beeinflussung des Publikums die eigentliche Aufgabe die Presse sei, da die Medien ja im Grunde genommen sonst nichts anderes zu tun hätten. Es ist klar, dass die Presseorgane, die ihren eigenen Wert kennen und von  Baron von Reinach und anderen enorme Geldspritzen forderten, diesen Lobbyisten förderten.


  Auch die Finanzwelt wurde diesmal nicht vergessen. Lesseps präsentierte seine Unternehmung unter der Schirmherrschaft und unter der Mitwirkung der bekanntesten Kreditinstitute und Finanzexperten Europas und Amerikas. Unter anderem die
Banque Centrale de Crédit  Diese Schirmherrschaft war keineswegs gratis: Die Firmen oder Personen, die an der Gründung der Panamakanal- Gesellschaft beteiligt waren, übernahmen nahezu die gesamte Emission und gaben die Wertpapiere allmählich bei steigenden  Preisen in den Markt. Die sogenannte Schirmherrschaft entpuppte sich als ein simples Bankensyndikat und führte innerhalb kürzester Zeit nach der Börseneinführung zu einer gewaltigen Hausse.

 

 

 

 

 

 

 
 
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